Jeder Schadenbearbeiter ist ersetzbar


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Die Versicherungswirtschaft ist in einem unaufhaltsamen digitalen Umbruch. Darin unterscheidet sie sich kaum von anderen Branchen. Aber aus zwei Gründen trifft es sie härter: Durch die scharfe Regulierung von Produkten und Unternehmen gab es Markteintrittsbarrieren, durch die technische Innovationen lange nicht in die konservativen Branchen eindrangen. Außerdem sind die sprachlichen und bildlichen Inhalte, mit denen Versicherer zu tun haben, sehr komplex. Dadurch war es schwieriger, sie zu automatisieren, als in der Logistik oder im Online-Handel, wo nur Zahlen verarbeitet werden müssen.

Jobst Landgrebe bringt einige Voraussetzungen mit, um diese Entwicklung zu beschleunigen. Einst arbeitete der studierte Mediziner und Mathematiker in der Versicherungswirtschaft, dann wechselte er in die Unternehmensberatung. Seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Thema künstliche Intelligenz. 2013 gründete er in Köln das Unternehmen Cognotekt. Dessen Ziel ist es, einfache Prozesse im Gesundheitswesen oder in der Autoversicherung durch Automaten gestalten zu lassen.

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Neben der Mathematik sei die Linguistik eine relevante Wissenschaft, um Automaten zu programmieren. Denn die Sprache ist der wichtigste Träger von Informationen, der interpretiert werden muss. Wenn Automaten Abrechnungen von Ärzten oder Briefe von Werkstätten analysieren, besteht die Gefahr von Missverständnissen. Indem Sprache strukturiert wird, lässt sie sich handhabbar machen. Der amerikanische Linguist Noam Chomsky habe gezeigt, dass eine kontextfreie (generative) Grammatik dabei hilft, dass aus einfachen Elementen Sätze mit einer Bedeutung gebildet werden können. Automaten könnten nicht den Sprachgebrauch (Pragmatik) analysieren, aber die schriftliche Semantik offenlegen. Das machten Cognotekt-Automaten anders als die weitverbreitete Maschine IBM Watson.

„Ich habe den gesamten Deckungsbeitrag der vergangenen Jahre in linguistische Forschung investiert“, sagt Landgrebe. Neben 33 festen Mitarbeitern beschäftigt sein Unternehmen zwölf freie Mitarbeiter - viele davon Linguisten. „Ich glaube, dass die künstliche Intelligenz in vielen Bereichen eingesetzt werden kann“, sagt er.

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By FAZ vom 17.01.2017 |

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